Mondorf Wetter
Malte Neuper
Adenauerplatz 3A
53859 Niederkassel-Mondorf

Literarisches zum Wind

Nun, auch in der Literatur wurde und wird einiges zum Wind geschrieben. Manchmal ist es nur heiße Luft, manchmal aber auch Interessantes und Anregendes. Oft dient der Wind dabei als Metapher. Im Folgenden will ich jedoch, ohne weiter auf Einzelheiten einzugehen oder stümperhafte Deutungsversuche zu unternehmen, einfach nur Zitate, Textstücke usw. die den Wind behandeln auflisten, die man sich einfach genüßlich zu Gemüte führen kann.



Anfangsseite der regionalen Winde

Theoretische Grundlagen

Hauptteil:
Genauere Beschreibung der einzelnen Winde


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Windrekorde

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Mondorfer Vorhersageseite

Bretagne

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Zitate:


  • "Der Wind ist die älteste Stimme der Welt."
    Donald Culross Peattie (1898-1964), amerikanischer Schriftsteller und Biologe


  • "Du brauchst keinen Wetterpropheten, um zu wissen, woher der Wind weht."
    Bob Dylan (geb. 1941), amerikanischer Singer-Songwriter


  • "Kommt Wind von unten in der Nacht,
    stehst du auf einem U-Bahn-Schacht.
    "
    Leo Kettler


  • "Das ist das menschliche Leben: bei dem einen raucht der Ofen, wenn
    der Wind von Nordwesten, bei dem andern, wenn er von Südosten kommt.
    "
    Wilhelm Raabe (1831-1910)


  • "Alle Menschen sind Wetterfahnen, ein bißchen mehr, ein bißchen weniger. Und wir selber machen's auch so. Schwapp, sind wir auf der anderen Seite."
    Theodor Fontane (1819-1898)


  • "Wer auf den Wind achtet, der sät nicht, und
    wer auf die Wolken sieht, der erntet nicht.
    "
    Prediger Salomo 11.4


  • "Deine Augen waren hart, und dein Gesicht war vom Chamsin, vom Samum, vom Haboob und vom Monsun gegerbt."
    Aus "Die Wache" von Nikos Kavvadias (1910-1975)


  • "Jimmys Winde hatten Weltruf."
    Aus "Ein Fest für Jimmy" von Roddy Doyle (geb. 1958)


  • "Das Wetter erkennt man am Winde,
    wie den Herrn am Gesinde.
    "
    Alte Bauernweisheit


  • "Das ist die zersetzende Macht eines schweren Sturmes: Sie trennt die Menschen voneinander und reißt sie fort. Ein Erdbeben, ein Erdrutsch, eine Lawine überfallen den Menschen gleichsam ohne Haß, wie zufällig. Ein wütender Sturm hingegen greift ihn an wie ein persönlicher Feind, versucht, ihn zu packen, bemächtigt sich seiner Gedanken und trachtet, ihm die Seele aus dem Leib zu reißen."
    Aus "Taifun" von Joseph Conrad (1857-1924)


  • "Wenn Joseph Conrad einen Taifun recht lebendig darstellen will, spricht er kaum von den Wellenbergen, der Düsternis und dem Sturmtoben. ... Vom ganzen Taifun zeigt Conrad lediglich das Menschenschicksal."
    Aus "Wind, Sand und Sterne" von Antoine de Saint-Exupéry (1900-1944)


  • "Die nackten Wahrheiten eines Hurrikans enthüllen sich einem nicht sogleich! Man glaubt, daß man eine Stunde, nachdem der Sturm begonnen hat, alles weiß, was es darüber zu wissen gibt. Aber die erbarmungslose Majestät eines solchen Naturereignisses erkennt man von Augenblick zu Augenblick und von Stunde zu Stunde immer klarer..."
    Aus "Hurrikan" von C.B. Nordhoff (1887-1947) und J.N. Hall (1887-1951)


  • "...Das sind die nackten, groben Tatsachen über die schlimmsten Schneestürme von Adelieland. Sie tatsächlich zu erfahren, ist eine andere Sache.
    Man hülle die wütenden Elemente in die Dunkelheit einer Polarnacht, und der Schneesturm erscheint noch furchtbarer. Ein Sprung in den sich windenden Sturmwirbel hinterlässt in den Sinnen einen unauslöschlichen und schrecklichen Eindruck, der auf der ganzen Skala von Naturereignissen seinesgleichen sucht. Die Welt eine Leere, grausig, wild und entsetzlich. Wir stolpern und kämpfen uns durch das höllische Dunkel; der gnadenlose Windstoß - eine Schreckgespenst der Rache - sticht zu, versetzt uns Schläge und lässt uns gefrieren; das stechende Schneetreiben blendet und erstickt uns...
    "
    Aus "The Home of the Blizzard, Vol I" von Douglas Mawson (1882-1958)


  • "Es war ein sengend heißer Tag gegen Ende November, kein Regen in Sicht, nur der Schirokko riß erbarmungslos an den verdorrten Zweigen der Bäume.... Stille. Der Schirokko, so spät für die Jahreszeit, schepperte an den Fensterscheiben."
    Aus der Erzählung "Ehrenwerte Gesellschaft" aus dem Buch "Fleischeslust" von T.C. Boyle (geb. 1948)


  • "...ich hatte mich krank gemeldet und war an den Strand gegangen.... Es wehte ein heißer Santa-Ana-Wind, und die Sicht reichte bis nach Santa Catalina Island, aber man spürte etwas in der Luft, den Geruch des Winters, der schon über Utah hing..."
    Aus der Erzählung "Fleischeslust" aus dem Buch "Fleischeslust" von T.C. Boyle (geb. 1948)


  • "Die Sicheln der Barakanen (Anm: Sicheldüne (d.h. halbmondartig gebogene Querdüne) mit konvexer Luv- und konkaver Leeseite; auch Barchan genannt (nach einer Bezeichnung aus Turkestan)), die sich im Lee des Windes krümmten, ihre Grate waren wie Schwerter, längs aufgereiht aneinander, Klingen von Dünen dort, wo sie wie eine Klippe auf einer Seite abfielen; und der Wind, der sie brach -mausim-, brachte den Regen für jede Dekade: ghibli, der rote Wind aus dem Süden, harmattan, wenn er trocken aus dem Nordosten kam, khamsin, wenn er fünfzig Tage anhielt, samum, wenn er zum Sturm wurde."
    Aus "Khamsin" von Raul Schrott (geb. 1964)


  • "Am 28. April erwachten wir von einem außergewöhnlich heftigen Nordoststurm, der undurchdringliche Sandwolken über unser Lager jagte. Graugelbe Sandhosen stürmten in wilder Flucht die Dünen hinauf und machtlos auf der Leeseite wieder hinunter.... Es war der schwerste Sturm, den wir auf dieser Reise hatten, einer der "Kara-burane", der schwarzem Orkane, die den Tag in Nacht verwandeln."
    Aus "Durch Asiens Wüsten" von Sven Hedin (1865-1952)


  • "...als sich plötzlich über dem ganzen westlichen Horizont eine dunkle, gelbgraue Wolke erhob. Erst war sie eine niedrige Wand, aber in ganz kurzer Zeit stieg sie bis zum Zenit empor. Die Sonne erbleichte zu einer gelben Scheibe und verschwand bald darauf ganz.
    Vom fernsten Teil des Waldes ertönte ein Sausen, das schnell näherkam. Man hörte das Krachen der Zweige und Äste immer deutlicher. Im Nordwesten hüllte sich der Wald in einen Schleier, und Staub- und Sandsäulen schoben sich über das Flußbett hin wie Kulissen auf unsichtbaren Rollen. Schon war der Wald verschwunden, die ersten Böen erreichten uns, und der schwarze Buran stürmte mit undurchdringlichen Wolken über uns her. Erde, Luft und alles schien sich zu drehen, und wir erwarteten, im nächsten Augenblick mit fortgerissen zu werden. Es wurde so dunkel wie mitten in der Nacht.
    "
    Aus "Durch Asiens Wüsten" von Sven Hedin (1865-1952)


  • "In der Nacht hatte sich ein heftiger "schwarzer Sturm" aus Osten erhoben, der das Himmelsgewölbe verdunkelte und die Kronen der alten majestätischen Pappeln beugte."
    Aus "Durch Asiens Wüsten" von Sven Hedin (1865-1952)


  • "Gerade als wir Abdall verließen, erhob sich wieder einer der gewaltigen Oststürme, der Wolken von Sand und Staub vor uns herjagte und die Strömung des Tarim auf der Oberfläche völlig umzukehren zwang. In Abdall fiel das Wasser um vierzig bis fünfzig Zentimeter, während es im Kara-buran um zwanzig bis dreißig Zentimeter stieg und der See sich unter dem Druck des Windes nicht unbedeutend ausdehnte. Drei volle Tage und Nächte tobte der Buran ohne einen Augenblick Unterbrechung, aber diesmal war er uns gar nicht unwillkommen. Er ließ die Temperatur nicht über fünfzehn bis achtzehn Grad steigen, es kam uns daher ordentlich kühl vor, und obendrein hatten wir ihn im Rücken, als ob der Himmel uns selbst auf den Weg helfen wollte. Ich dachte nur immer: "Schieb zu, schieb zu, du Windsbraut du." "
    Aus "Durch Asiens Wüsten" von Sven Hedin (1865-1952)


  • "Die Passatwinde glitten ohne Unterlaß gegen Süden. Sie strichen über den Dünensand, daß es raschelte wie Seide. Das waren keine europäischen Winde, die sich drehten, die bisweilen aussetzten; nein, sie lasteten auf uns, unaufhörlich wie der Luftstrom eines Schnellzugs. Besonders nachts wehten sie uns oft so hart an, daß wir uns, nach Norden gewandt, gegen sie stemmen mußten und doch das Gefühl hatten, von ihnen fortgetragen zu werden, einem unbekannten Ziele zu. Welche Hast, Welche Unruhe!"
    Aus "Südkurier " von Antoine de Saint-Exupéry (1900-1944)


  • "Samum: kaum sind wir fünfzig Meter hoch, und schon dörrt uns dieser Wind aus wie ein Heißluftapparat."
    Aus "Südkurier " von Antoine de Saint-Exupéry (1900-1944)


  • "Schicksal des Menschen, wie gleichst du dem Wind!"
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)


  • ""Ist das vielleicht der scirocco?" Die Frage war durchaus vernünftig. Wenn dieser heiße Wind aus Afrika acqua alta (Anm.: Hochwasser) bringen konnte, warum sollte er dann nicht auch die Temperatur in seinem Dienstzimmer steigen lassen können."
    Aus "Acqua alta" von Donna Leon (geb. 1942)


  • "O Menschheit, wo bleibt dein Wohl? Soll das immer auf neue von dem albernen Samum der Aufgeblasenheit, der dahergestobert kommt in der Wüste, unter den alten Sand begraben werden?"
    Aus "Dies Buch gehört dem König" von Bettina von Arnim (1785-1859)


  • "...; den Allerheiligentag, um den herum die Äquinoktialstürme zu tosen pflegten, von dem wir sagen, dass Friesland ihn wohl beklagen mag, erwartete er [Hauke Haien] wie heut die Kinder das Christfest."
    Aus "Der Schimmelreiter" von Theodor Storm (1817-1888)


  • "Dann stürmten die Böen aus dem Osten heran, feuerten den Blizzard auf sie ab."
    Aus "Schiffsmeldungen" von E. Annie Proulx (geb. 1935)


  • "Um Mitternacht kam der Wind geradewegs aus Westen, und er hörte, wie das Ächzen zu einem Bellen anschwoll, ein schrecklicher Wind aus dem ganzen Katalog der Winde. Ein Wind, der mit dem Blue Norther verwandt war, dem eiskalten Blaast und dem Landlash. Ein Vetter des Ochsenauges, ein Unwetter, das als kleine Wolke mit einer rötlichen Mitte anfing, Schwiegermutter des Vinds-gnyr der nordischen Sagen, des dreitägigen Nordosters der Küsten von Neuengland. Ein Onkelwind des alaskischen Williwaw und von Irlands wildem Doinionn. Stiefschwester der Kossava, die die jugoslawischen Ebenen mit russischem Schnee attackiert, des Steppenwinds und des gewalttätigen Buran aus den weiten, offenen Steppen Zentralasiens, des Crivetz, der eiskalten Wiugas und Purgas Sibiriens und des wilden Myatel aus Rußlands Norden. Ein Blutsbruder des Prärie-Blizzards, des arktischen kanadischen Heulers, einfach als Nordwind bekannt, und des Pittarak, der die Eisfelder Grönlands hinuterraste. Dieser namenlose Wind, der über den Felsen Neufundlands wie mit einer Stahlklinge schabte."
    Aus "Schiffsmeldungen" von E. Annie Proulx (geb. 1935)


  • "So neben seinem großen Bruder, dem noch der Geruch von Taifunen und Monsunen im Zeuge hing,..."
    Aus "Jan Himp und die kleine Brise" von Hans Leip (1893-1983)


  • "Bora, der kalte Fallwind an der Adriaküste, wühlt das Meer und die Lagune auf, zersprengt die Wolken und dringt eisig bis in die hintersten Winkel der Stadt (Anm.: Venedig)."
    Aus "Die Welt des Mittelmeeres" von Fernand Braudel (1902-1986), französischer Geschichtswissenschaftler


  • "Und dann fing er an Geschichten zu erzählen, von damals, endlos. ...; von der Tochter eines Hugenotten im Esterel, die vom Lavendelduft berauscht ihm zu Willen gewesen sei; von einem Waldbrand, den er dabei um ein Haar entfacht und der dann wohl die gesamte Provence in Brand gesteckt hätte, so sicher wie das Amen in der Kirche, denn es ging ein scharfer Mistral;.... "
    Aus "Das Parfüm - Die Geschichte eines Mörders" von Patrick Süskind (geb. 1949)


  • "Der Himmel war reingefegt, doch hatte der Regen keine Lockerung gebracht. Der Föhn lag immer noch über den Dörfern und Wäldern, brauste heran in großen weichen Stößen. Die unnatürliche schwere Wärme machte die Menschen böse, reizbar, ungeduldig."
    Aus "Das Versprechen" von Friedrich Dürrenmatt (1921-1990)


  • "Sturm läutert die Luft."
    Caspar David Friedrich (1774-1840)


  • "Ich habe es bei vollem Mistral gemalt, meine Staffelei war mit eisernen Pflöcken im Boden befestigt, ein Verfahren, welches ich Dir empfehle. Man gräbt den Fuß der Staffelei in den Boden ein, dann gräbt man einen fünfzig Zentimeter langen Eisenpfahl daneben ein. Das Ganze befestigt man mit Stricken. So könnt ihr im Winde arbeiten."
    Brief von Vincent van Gogh (1835-1890) an Emile Bernard


  • "Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt."
    Johannes 3, 8


  • "Als aber der Südwind wehte, meinten sie, ihr Vorhaben ausführen zu können, lichteten die Anker und fuhren nahe Kreta entlang.
    Nicht lange danach aber brach von der Insel her ein Sturmwind los, den man Nordost nennt.
    Und da das Schiff ergriffen wurde und nicht mehr gegen den Wind gerichtet werden konnte, gaben wir auf und ließen uns treiben.
    Wir fuhren aber vorbei an einer Insel die Kauda heißt, da konnten wir mit Mühe das Beiboot in unsere Gewalt bekommen.
    Sie zogen es herauf und umspannten zum Schutz das Schiff mit Seilen. Da sie aber fürchteten, in die Syrte zu geraten, ließen sie den Treibanker herunter und trieben so dahin.
    Und da wir großes Ungewitter erlitten, warfen sie am nächsten Tag Ladung ins Meer.
    Und am dritten Tag warfen sie mit eigenen Händen das Schiffsgerät hinaus.
    Da aber viele Tage weder Sonne noch Sterne schienen und ein gewaltiges Ungewitter und bedrängte, war all unsere Hoffnung dahin.
    "
    Apostelgeschichte 27, 13-20


  • "In diesem Licht verstehe ich vollkommen die Bedeutung der Freiheit. ... Sie bedeutet Lebensbedingungen für den Aufstieg des Menschen. Sie gleicht einem günstigen Wind. Dank dem Wind allein sind die Segler frei auf den Wogen."
    Aus "Flug nach Arras" von Antoine de Saint-Exupéry (1900-1944)


  • "...Der Mistral mochte blasen und blasen, die Flügel standen still... Die Errichtung der Dampfmühlen hatte ihn wie von Sinnen gebracht. Acht Tage sah man ihn auf und ab durchs Dorf laufen, alle um sich aufwiegeln und so laut, wie er nur konnte, schreien, man wolle die Provence vergiften mit dem Mehl der Dampfmüller. "Geht nicht dahin", sagte er, "um Brot zu machen, brauchen diese Halunken Dampf, der eine Erfindung des Teufels ist, ich dagegen, ich arbeite mit dem Mistral und mit der Tramontana, die der Atem des Herrgotts sind..."
    Aus der Erzählung "Meister Cornilles Geheimnis" aus dem Buch "Briefe aus meiner Mühle" von Alphonse Daudet (1840-1897)


  • "Gerade an diesem Morgen war wunderbares Wetter, das aber zum Laufen auf der Landstraße ganz und gar nicht taugte: zuviel Mistral und zuviel Sonne, ein echter Provence-Tag."
    Aus der Erzählung "Die Alten" aus dem Buch "Briefe aus meiner Mühle" von Alphonse Daudet (1840-1897)


  • "Als er fertig war, hob der gute Mann den Kopf, prüfte mit besorgtem Blick den Himmel; darauf sagte er, mich am Fenster bemerkend, zu mir:
    "Schlechtes Wetter für die Feldarbeit, das ist Schirokko."
    Tatsächlich kamen, je höher die Sonne stieg, Stöße von glühendem, erstickendem Wind von Süden zu uns heran, wie aus einer Ofentür, die geöffnet wird und wieder geschlossen. Man wußte nicht, wohin man gehen und was man mit sich anfangen sollte.
    "
    Aus der Erzählung "Die Heuschrecken" aus dem Buch "Briefe aus meiner Mühle" von Alphonse Daudet (1840-1897)


  • "...vor diesem unendlichen Raum blauer Horizonte und offenen Himmels. Wie aus dem Meer, das trotz seiner Wellen eine große Einheit bildet, so löst sich auch aus dieser Ebene ein Gefühl von Einsamkeit, von Unermeßlichkeit, noch verstärkt durch den Mistral, der ohne Unterbrechung, ohne Hindernis weht und der mit seinem mächtigen Atem die Landschaft plattzudrücken, zu weiten scheint. Alles beugt sich vor ihm. Die kleinsten Sträucher tragen das Zeichen seines Vorüberziehens, bleiben gekrümmt davon und flach nach Süden hingestreckt in der Haltung einer immerwährenden Flucht...
    ...Nachts, wenn der Mistral weht und wenn das Haus überall kracht, mit dem Meer in der Ferne und dem Wind, der es näherbringt, sein Rauschen trägt, es anschwellen läßt und fortsetzt, glaubt man beinahe, man liege in der Kajüte eines Schiffes.
    Doch vor allem am Nachmittag ist die Hütte voller Reiz. Unsere schönen südlichen Wintertage bleibe ich gerne ganz allein am hohen Kamin, in dem ein paar Tamariskenknorren rauchen. Unter den Stößen des Mistrals oder der Tramontana springt die Tür, ächzt das Schilf, und alle diese Erschütterungen sind nur ein ganz kleiner Widerhall der großen Aufgewühltheit der Natur rings um mich. Die Wintersonne, von dem ungeheuren Windstrom gepeitscht, streut ihre Strahlen umher, sammelt sie, zerstreut sie wieder. Große Schatten eilen unter einem wundervoll blauen Himmel dahin. Das Licht kommt in Stößen, so auch die Geräusche. Und die Herdenglocken, plötzlich zu hören, dann vergessen, im Wind verloren, kehren wieder und singen unter der schütternden Tür mit dem Zauber eines Refrains...
    "
    Aus der Erzählung "In der Camargue" aus dem Buch "Briefe aus meiner Mühle" von Alphonse Daudet (1840-1897)


  • "Über uns ragte der Everest auf, leicht gepudert mit frischem Schnee, ruhig und windstill und halb gehüllt in diese feuchten, klebrigen Wolken, die zu dieser Jahreszeit mit Sicherheit die Ankunft des eigentlichen Monsuns ankündigen."
    Aus einer von der britischen Everest-Expedition 1924 unter George Mallroy gesendeten Niederschrift von Noel Odell (1890-1987), zusammengefasst in den "The Mount Everest Dispatches"


  • "Der Bayern-Star Ribery fiel über die Bundesliga ein wie der Mistral übers Rhone-Delta."
    Aus dem "kicker-Sonderheft" zur Fussball Europameisterschaft 2008


  • "Der "Vierzig-Tage-Wind", der im Juni weht, war schon vorbei. Jetzt bewegte sich nicht das leiseste Lüftchen."
    Aus "Wüste, Sumpf & Berge" von Sir Wilfred Thesiger (1910-2003)


  • "Alle Häuser stehen mit der fensterlosen Rückwand nach westen, von da kommt der böseste Wind (Anm.: Bent de darre). Die Kirchen konnte man so nicht bauen, wollte man nicht mit allen liturgischen Vorschriften brechen: die Kirchentür ist also häufig durch eine Mauer gegen den Wind geschützt."
    Aus "Ein Pyrenäenbuch" von Kurt Tucholsky (1890-1935)


  • "Der ruhelose Wind (Anm.: Mistral in der Straße von Bonifacio zwischen Korsika und Sardinien) quälte das Meer, quälte die nackte, von ihm zernagte, kaum mit Gras bewachsene Küste; er stürzte in die Meerenge und verheert deren beide Ufer."
    Aus "Vendetta" von Guy de Maupassant (1850-1893)


  • ""Höre!" sagte der Einsame gedämpft und fast mechanisch. "Man desinfiziert Venedig. Warum?" - Der Spaßmacher antwortete heiser: "Von wegen der Polizei! Das ist Vorschrift, mein Herr, bei solcher Hitze und bei Scirocco. Der Scirocco drückt. Er ist der Gesundheit nicht zuträglich..." Er sprach wie verwundert darüber, daß man dergleichen fragen könne, und demonstrierte mit der flachen Hand, wie sehr der Scirocco drücke. - "Es ist also kein Übel in Venedig?" fragte Aschenbach sehr leise und zwischen den Zähnen. - Die muskulösen Züge des Possenreißers fielen in eine Grimasse komischer Ratlosigkeit. "Ein Übel? Aber was für ein Übel? Ist der Scirocco ein Übel? Ist vielleicht unsere Polizei ein Übel? Sie belieben zu scherzen! Ein Übel! Warum nicht gar! Eine vorbeugende Maßregel, verstehen Sie doch! Eine polizeiliche Anordnung gegen die Wirkungen der drückenden Witterung..." Er gestikulierte. "
    Aus "Der Tod in Venedig" von Thomas Mann (1875-1955)


  • "Plötzlich drehte Roze sich um, deutete zum Himmel und sagte nur zwei Worte: "Kara Buran!" Ich blickte auf, und im selben Augenblick sah ich die pechschwarze Walze, die auf uns zukam."
    Aus " Karawane ohne Wiederkehr. Das Drama in der Wüste Takla Makan" von Bruno Baumann (geb. 1955)


  • "(Anm.: Das folgende "Zitat" ist nicht eine durchgehende Textstelle, sondern verteilt sich über mehrere Seiten des Buches und zeigt den Verlauf des Blizzards.) Durch die Balkontür sah ich den Himmel, eine kompakte Wolkendecke, die im Lauf der Nacht aufgezogen war. Es würde sicher regnen heute. ... Als ich mit der Schulter die Haustür aufdrückte, nahm mir ein eisiger Windstoß den Atem. Verdammt, war das kalt. Die Temperatur musste in der Nacht anständig gefallen sein ... - den Wetterbericht hatte ich nicht verfolgt. ... Dann begann es zu schneien. Zuerst ganz leicht, winzige Flocken, die schmolzen, sobald sie auf die Windschutzscheibe fielen. ... "Es ist Regen", sagte ich. "Ich schlafe bei diesem Wetter nicht draußen." ... Ich schaltete das Radio ein. "Pass lieber auf, wenn sie das Wetter bringen." Es dauerte ein paar Minuten, dann hörten wir es: Für Südmanitoba wurde vor schweren Schneefällen und stürmischen Böen mit einer Geschwindigkeit von 70 km/h gewarnt. ... Aber ich spürte, wie der Wind stärker wurde, spürte, wie er am Wagen rüttelte. Die Schneeflocken waren inzwischen größer geworden, sie flatterten gegen die Windschutzscheibe und wirbelten über die Landstraße. ... Ich schaute angestrengt auf die Straße und versuchte mich nicht vom Schnee hypnotisieren zu lasen, der waagerecht auf uns zukam, sich mit rasender Geschwindigkeit der Windschutzscheibe näherte ohne sie zu berühren. ... Gefrorener Matsch staute sich am Straßenrand und lag auch auf dem Asphalt. ... Ich ..., beobachte das weiße Toben draußen vor dem Fenster.... Es ist nur Wetter, sagte ich mir. ... "Sie warnen jetzt schon vor einem Blizzard;. ... " ... Durch das Unwetter schien es später zu sein, als es tatsächlich war. .... , aber ich blieb da im peitschenden Wind und Schnee stehen .... "Wir haben einen verdammten Schneesturm. Mir ist kalt." ... Auf der Straße lehnte ich mich in den Sturm. ... Es hatte aufgehört zu schneien, aber der Sturm war schlimmer denn je. ... Es hatte wieder angefangen zu schneien, nicht mit den großen, weißen Flocken, die wir auf dem Weg hierher gesehen hatten, sondern mit winzigen Eiskristallen, die mich wie Sandkörnchen trafen. ... Er ... blinzelte in den strahlend blauen Himmel und den schmelzenden Schnee. ... Ich konnte den Wetterumschwung immer noch nicht fassen. Die Sonne ließ Fenster aufleuchten und warf Blitze auf die Autos, die an uns vorbeifuhren."
    Aus "Highway Blues" von Diana Wieler (geb. 1961)


  • "Die Steppe ist ein merkwürdiger Ort. Sie ist keine Wüste - es gibt Vegetation und Wasser -, aber sie ist auch kein Marschland. Schatten gibt es nicht, und das Gras wird beständig von Wind gepeitscht. Aber die Steppe lebt: ... Im Winter sinkt die Temperatur hier auf minus 40 Grad, und der buran, der Nordostwind, lässt alles vor Kälte erstarren, während im Sommer das Thermometer leicht die gleiche Temperatur anzeigen kann, nur mit umgekehrtem Vorzeichen."
    Aus "Echt Abgefahren - Mit dem Fiat 500 nach Peking" von Danilo Elia (geb. 1973)


  • "An diesem Tag behaupteten wir uns. Doch in der Nacht sprang eine Kühlte, ein mittelstarker Wind auf. Der gegnerische Vierundsiebziger konnte eine solche Menge Leinwand führen, die sämtliche Masten der "Walroß" zersplittert hätte."
    Aus "Das Schatzschiff" von Arthur D. Howden Smith (1887-1945) / Helmut Höfling (1927-2015)


  • "Zweieinhalb Wochen nach meinem Start traf mich der eiskalte Nordwester wie eine Faust: Ankunft am Beringmeer."
    Aus "Weltreise - 4300 Tage unterwegs auf fünf Kontinenten" von Dieter Kreutzkamp (geb. 1946)


  • "Dann kam der Schirokko von Afrika herüber. Er hält stets mehrer Tage an und ist nicht nur heiß und trocken, sondern zieht in einer Serie von Wirbeln einher, dreht sich hektisch, kreist die Menschen ein, fällt wie mit Hämmern über sie her, zerschlägt Türen, zerbricht Fensterläden, bläst einem feinen Sand in die Augen, den Hals, dörrt alles aus und reizt die Nerven. Man kann nicht schlafen, kann nicht spazierengehen, kann nicht still sitzen, kann nicht lesen. Die Gedanken beginnen zu wirbeln wie der Wind.
    Der Wind ist beladen mit Düften aus Afrika, mit schweren, sinnlichen Tiergerüchen. Er bringt eine Art Fieber und Unruhe der Nerven mit.
    "
    Aus der Erzählung "Schirokko" aus dem Buch "Die verborgenen Früchte" von Anaïs Nin (1903-1977)


  • ""Entschuldigen Sie, Major", bat er, "ich spüre den Föhn und dann - ich habe Sorgen."."
    Aus "Per Hills schwerster Fall" von Richard Katz (1888-1968)


  • "Die Sonne stach auf ihn ein, und der Föhn streckte schon seine knochigen Finger nach ihm aus."
    Aus "Niedertracht" von Jörg Maurer (geb. 1953)


  • "Der Scherz wurde von einem Windstoß weggerissen, der aus dem Tschechischen herübergekommen war, einem czesky vzduch."
    Aus "Niedertracht" von Jörg Maurer (geb. 1953)


  • "Sie hatten eine Anhöhe erreicht, die bis auf ein paar Flechten ganz und gar vegetationslos war und die mit ihren Rundhöckern, Dolinen und Schratten an eine Mondlandschaft erinnerte. Es pfiff dort aus allen Himmelsrichtungen. Es hatte den Anschein, als ob sie sich hier träfen, die europäischen Winde, zu einer Ratssitzung der Turbulenzen: der beständige Blascht vom Bodensee, der temperamentvolle Vent de la vallée du Buëch aus dem Französischen, der heiße Traubenkocher aus Nordtirol, der quirlige Jinovec aus der Slowakei - die Ritter der Thermodynamik, die hier die weitere Vorgehensweise besprachen."
    Aus "Niedertracht" von Jörg Maurer (geb. 1953)


  • "Der kalte Wind, der den Kopf der Leiche bewegte, der Oberammergauer Wuisler, ließ nicht nach, der Unbekannte nickte stärker."
    Aus "Niedertracht" von Jörg Maurer (geb. 1953)


  • "Als sie am Waldrand angekommen waren, durchfuhr ein frischer slowakischer Jinovec-Windstoß die harztropfenden Weißtannen, und der Duft von würziger Walderde umfing die rauschenden Köpfe.
    ... oder einige Kapitel später
    Gerade in dem Augenblick ist der raue slowakische Jinovec aufgekommen."
    Aus "Niedertracht" von Jörg Maurer (geb. 1953)


  • "SIND SIE GEREIZT? Verspüren Sie ein allgemeines vages Unlustgefühl? Sind Sie unruhig, unkonzentriert und nervös? Ist Ihre Leistungsfähigkeit vermindert? Haben Sie Kopfweh, Migräne oder Gliederschmerzen? Fühlen sich Ihre Muskeln verspannt und hart an? Haben Sie Magenbeschwerden, Herzrasen, Seitenstechen oder andere vegetative Störungen? Plagen Sie Nackenschmerzen, die in den Hinterkopf aufsteigen? Fühlen Sie sich beobachtet und überwacht? Tanzen Ihnen Punkte vor den Augen? Verspüren Sie plötzlich ein Gefühl der dumpfen und ungezielten Wut? Haben Sie das Bedürfnis, etwas zu zerstören? Haben sie unbestimmte Mordgedanken?
    Wenn Sie eines oder mehrere Symptome bei sich feststellen, dann befinden Sie sich möglicherweise in einem Kurort des bayrischen Voralpenlandes - und es ist gerade Föhn. Sie sitzen dort etwa auf der Terrasse ... und sind erstaunt über die außerordentlich klare Luft und den guten Blick. Sie halten Ihre Nase genießerisch in den ungewöhnlich warmen, trockenen Wind. Doch genau dieser warme, trockene Wind, das ist der Föhn. Und er packt schnell zu. Innerhalb kürzester Zeit hat er alle Ihre Synapsen besetzt, und Sie können froh sein, wenn Sie lediglich zwei oder drei der oben beschriebenen Beschwerden zu beklagen haben.
    "
    Aus "Föhnlage" von Jörg Maurer (geb. 1953)
    Anmerkung: Diese Textstelle ist der Anfang des spannenden Kriminalromans und eine wirklich sehr schöne Beschreibung der Föhnwirkungen. Diese - wie die drei folgenden - sind ein subjektiv ausgewähltes Extrakt der Textstellen des Buches, die das Wort Föhn beinhalten - es sind derer (inkl. Titel) nämlich 18.


  • "Und auch auf dem Friedhof am Fuße des Kramergebirges herrschte der blanke Föhn. Die Sonne stach, am blauen Himmel erschienen nur die typischen linsenförmigen Lenticulariswolken."
    Aus "Föhnlage" von Jörg Maurer (geb. 1953)


  • "Dann erhob sich das Bergmassiv der Kramerspitze. Darüber herrschten nur noch Gott und der Föhn."
    Aus "Föhnlage" von Jörg Maurer (geb. 1953)


  • "Bagni di Petriolo, auf der Strecke zwischen Siena und Grosseto, der laue Wind, der vom Meer herkam, passte genau zum Spätsommer. Die Hügelchen der Provinz waren nicht hoch genug, um einen Föhn zu erzeugen, trotzdem hatten die Italiener einen Namen dafür: vento di caduta sagten sie dazu, der fallende Wind."
    Aus "Föhnlage" von Jörg Maurer (geb. 1953)


  • ""Na, Mann, wo wollt ihr den hin?" "Zurück nach Nicae. Ich bin dort in Vollpension." "Nach Nicae? Übers Meer? Bei dem Mistral? Da war ja der Ausbruch des Vesuvs ein Kinderspiel dagegen! Euch geht's wohl nicht gut?""
    Aus "Tour de France" von René Goscinny (1926-1977) und Albert Uderzo (geb. 1927) - Band 6 der Asterix Comic Reihe


  • ""Ist das der berühmte Mistral?", fragte er. "Der berüchtigte Mistral. Der wird jetzt den ganzen Tag so wüten - wenn wir Glück haben. Oder die nächsten drei Tage. Oder sechs. Oder neun. Auf jeden Fall eine durch drei teilbare Zahl, wenn er sich nicht am ersten Tag erschöpft.""
    Aus "Mörderischer Mistral" von Cay Rademacher (geb. 1965)
    Anmerkung: Diese Textstellen sind ein subjektiv ausgewähltes Extrakt der Textstellen des Buches, die das Wort Mistral beinhalten - es sind derer (inkl. Titel) nämlich 45.


  • ""Das ist der Mistral?", sagte LeBruchec mit einer Spur Schadenfreude in der Stimme. "Das ist wie mit dem Wein: Der eine verträgt ihn und der andere bekommt davon Kopfschmerzen.""
    Aus "Mörderischer Mistral" von Cay Rademacher (geb. 1965)


  • "Der Mistral hatte nachmittags schlagartig aufgehört, als hätte jemand ein riesiges Ventil zugedreht, irgendwo am Montblanc, wo der Wind herkam."
    Aus "Mörderischer Mistral" von Cay Rademacher (geb. 1965)


  • "Die Nordseite (Anm.: des Hauses) war schmal, abgerundet und fensterlos. Er hatte inzwischen den gnadenlos eisigen Mistral kennengelernt und konnte sich vorstellen, warum die Hütten diesen Böen in dieser ungeschützten Weite eine möglichst windschlüpfrige Seite entgegenhielten."
    Aus "Tödliche Carmargue" von Cay Rademacher (geb. 1965)
    Anmerkung: In diesem Buch kommt das Wort Mistral 9x vor, so dass die hier angegebenen Textstellen ebenso eine gewisse Auswahl darstellen.


  • "" ... Wir trocknen ihn (Anm.: den Reis) auf Gestellen, die der Sonne und dem Mistral ausgesetzt sind." "Marie-Claude behauptet, dass man die Sonne und den Mistral schmecken kann. """
    Aus "Tödliche Carmargue" von Cay Rademacher (geb. 1965)


  • "" ... Wenn der Mistral die eine Schindel hinunterweht, dann hast du ein kleines Problem. Wenn dir ein laues Lüftchen wie heute dir eine herunterweht, dann hast Du ein großes Problem.""
    Aus "Tödliche Carmargue" von Cay Rademacher (geb. 1965)


  • "(Anm.: Im Folgenden geht es um den 2CV, - für die Jüngeren - auch bekannt als die "die Ente")"Baujahr 1990, kurz vor Produktionsstopp. Sechshundert Kubikzentimeter, neunundzwanzig PS, schafft über hundert Sachen, wenn dich der Mistral von hinten schiebt", verkündete Riou. "Und wenn der Mistral von vorne kommt?" "Klappst du die Fenster hoch und kannst während der Fahrt Blumen pflücken. ...""
    Aus "Tödliche Carmargue" von Cay Rademacher (geb. 1965)


  • ""Seine Hände waren nass, der Puls rauschte in seinem Ohr wie der Mistral in den Pinien.""
    Aus "Brennender Midi" von Cay Rademacher (geb. 1965)


  • "An dieses Scheißgezirpe hatte sich Jürgen nie gewöhnen können. Der Mistral, der einem das Hirn aus der Schale pustete; die Boule spielenden Flachwichser aus dem Dorf; selbst die Sprache, dieses "Worte in der Nase kneten und dann rauswürgen" - alles zu ertragen. Aber diese Zikaden ... Mann, die konnten einem echt auf den Sack gehen."
    Aus "nächsten Sommer" von Edgar Rai (geb. 1967)


  • "Weiter entfernt von den Terrassentüren lagen die flachen Weiten der Tabakplantagen der Kasungu-Tiefebene, wo durch die großen, blassgrünen, gewellten Blätter ein feuchter Wind ging, der Chiperoni genannt wurde."
    Aus "Die Geometrie der Wolken" von Giles Foden (geb. 1967)


  • "Es blies ein Wüstenwind an diesem Abend. einer jener heißen und trockenen Santa Anas, die von den Bergpässen herunterkommen und einem das Haar krüllen und an den Nerven zerren und auf der Haut jucken. An Abenden wie diesem endet jede Saufrunde in einer Keilerei. Sanftmütige Hausfrauen tasten prüfend über die Schneide des Tranchiermessers und studieren die Hälse ihrer Männer."
    Aus der Kurzgeschichte "Blutiger Wind" aus dem Buch "König in Gelb" von Raymond Chandler (1888-1959)


  • "Die Tramontana wehte sanft, und die Sonne brannte trotz des anbrechenden Abends noch. Schon in einer knappen Stunde würde er alles wieder von der Leine nehmen können."
    Aus "Dreimal Schwarzer Kater" von Philippe Georget (geb. 1963)


  • "Draußen stand die Sonne bereits hoch am Himmel, und die Tramontana blieb ruhig. Es würde ein heißer Tag werden."
    Aus "Dreimal Schwarzer Kater" von Philippe Georget (geb. 1963)


  • "Ein paar Tage lang hatte die Tramontana gewütet, doch jetzt hatte sie sich wieder beruhigt. Sie hatte die letzten Wolken vom Himmel gefegt, und die noch intensive Herbstsonne trocknete die Pfützen auf dem Asphalt ebenso wie die Tränen auf den Wangen."
    Aus "Wetterleuchten im Roussillon" von Philippe Georget (geb. 1963)
    Anmerkung: Diese Textstellen sind ein subjektiv ausgewähltes Extrakt der Textstellen des Buches, die das Wort Tramontana beinhalten - es sind derer nämlich 14.


  • "Die Fußgänger eilten mit gesenktem Kopf vorbei, um die Tramontana gnädig zu stimmen, die nach ein paar Tagen Ruhe mit voller Wucht zurückgekehrt war."
    Aus "Wetterleuchten im Roussillon" von Philippe Georget (geb. 1963)


  • "Er zog den Reißverschluss seiner Jacke bis nach oben zu, denn die Tramontana verstärkte noch die Kälte. Diesmal gab es keinen Zweifel, der Herbst machte sich in Nordkatalonien breit.."
    Aus "Wetterleuchten im Roussillon" von Philippe Georget (geb. 1963)


  • "Eine Plastiktüte wehte im Wind und versuchte vergeblich, einem Turteltäubchen gleich emporzuflattern. Langsam erhob sie sich zum düsteren Himmel, nur um dann heftig wieder zu Boden gepeitscht zu werden. Ihr waghalsiger Flug fand in den ausgestreckten Armen eines verknoteten Rebstocks ein jähes Ende. Jedes Mal, wenn die Tramontana zuschlug, schmückte sich das letzte Fleckchen Weinberg dieser Gegend mit diesen kümmerlichen Girlanden."
    Aus "Wetterleuchten im Roussillon" von Philippe Georget (geb. 1963)


  • "Draußen hatten sich die Wolken so gut wie ausgeregnet, und getrieben von der kräftigen Tramontana machten sie blauen Fleckchen am Himmel Platz."
    Aus "Wetterleuchten im Roussillon" von Philippe Georget (geb. 1963)


  • ""Ja, aber die Tramontana ist wieder da. Es wäre klüger, du würdest den Bus zur Schule nehmen.""
    Aus "Wetterleuchten im Roussillon" von Philippe Georget (geb. 1963)


  • "Ihr Auto wurde von einer Böe gebeutelt. Die Tramontana fegte den Himmel sauber, und das Meer fand nach und nach zu seinen Blautönen zurück."
    Aus "Wetterleuchten im Roussillon" von Philippe Georget (geb. 1963)


  • "... und bewunderte die schneebedeckten Gipfel des Pic du Canigou. Dort oben wehte die Tramontana den Schnee auf und schmückte den heiligen Berg mit einem weißen Federbusch."
    Aus "Wetterleuchten im Roussillon" von Philippe Georget (geb. 1963)




Gedichte:


Christian Morgenstern (1871-1914)

Windgespräch


Hast nie die Welt gesehn?
Hammerfest - Wien - Athen?

"Nein, ich kenne nur dies Tal.
bin nur so ein Lokalwind -
kennst du Kuntzens Tanzsaal?"

Nein, Kind.
Servus! Muß davon!
Köln - Paris - Lissabon.



Friedrich Nietzsche (1844-1900)

An den Mistral

Ein Tanzlied

Mistral - Wind, du Wolken - Jäger,
Trübsal - Mörder, Himmels - Feger,
Brausender, wie lieb ich dich!
Sind wir zwei nicht Eines Schoßes
Erstlingsgabe, Eines Loses
Vorbestimmte ewiglich?

Hier auf glatten Felsenwegen
Lauf ich tanzend dir entgegen,
Tanzend, wie du pfeifst und singst:
Der du ohne Schiff und Ruder
Als der Freiheit freister Bruder
Über wilde Meere springst.

Kaum erwacht, hört' ich dein Rufen,
Stürmte zu den Felsenstufen,
Hin zur gelben Wand am Meer.
Heil! da kamst du schon gleich hellen
Diamantnen Stromesschnellen
Sieghaft von den Bergen her.

Auf den ebnen Himmels-Tennen
Sah ich deine Rosse rennen,
Sah den Wagen, der dich trägt,
Sah die Hand dir selber zücken,
Wenn sie auf der Rosse Rücken
Blitzesgleich die Geissel schlägt,

Sah dich aus dem Wagen springen,
Schneller dich hinabzuschwingen,
Sah dich wie zum Pfeil verkürzt
Senkrecht in die Tiefe stossen,
Wie ein Goldstrahl durch die Rosen
Erster Morgenröthen stürzt.

Tanze nun auf tausend Rücken,
Wellen-Rücken, Wellen-Tücken
Heil, wer neue Tänze schafft!
Tanzen wir in tausend Weisen,
Frei sei unsre Kunst geheissen,
Fröhlich unsre Wissenschaft!

Raffen wir von jeder Blume
Eine Blüthe uns zum Ruhme
Und zwei Blätter noch zum Kranz!
Tanzen wir gleich Troubadouren
Zwischen Heiligen und Huren,
Zwischen Gott und Welt den Tanz!

Wer nicht tanzen kann mit Winden,
Wer sich wickeln muss mit Binden,
Angebunden, Krüppel-Greis,
Wer da gleicht den Heuchel-Hänsen,
Ehren-Tölpeln, Tugend-Gänsen,
Fort aus unsrem Paradeis!

Wirbeln wir den Staub der Strassen
Allen Kranken in die Nasen,
Scheuchen wir die Kranken-Brut!
Lösen wir die ganze Küste
Von dem Odem dürrer Brüste,
Von den Augen ohne Muth!

Jagen wir die Himmels-Trüber,
Welten-Schwärzer, Wolken-Schieber,
Hellen wir das Himmelreich!
Brausen wir oh aller freien
Geister Geist, mit dir zu Zweien
Braust mein Glück dem Sturme gleich.

Und dass ewig das Gedächtniss
Solchen Glücks, nimm mein Vermächtniss,
Nimm den Kranz hier mit hinauf!
Wirf ihn höher, ferner, weiter,
Stürm empor die Himmelsleiter,
Häng ihn an den Sternen auf!




Ferdinand Freiligrath (1810-1876)

Wisperwind


Der Wisperwind, der Wisperwind,
Den kennt in Oestrich jedes Kind!
Des morgens früh von vier bis zehn,
Da spürt man allermeist sein Wehn!
Stromauf aus Wald und Wiesengrund
Haucht ihn der Wisper kühler Mund!


Ja, immer, immer nur stromauf
Führt er mit Pfeifen und Geschnauf;
Von unten jetzt und allezeit
Braus't er nach oben, kampfbereit;
Nie mit der Welle gehr sein Strich,
Nur ihr entgegen stemmt er sich!


Er macht sich auf, wo Hütten stehn;
Wo Hütten stehn und Mühlen gehn.
Des Bauern Strohdach ohne Ruh'
Schickt ihn der Burg der Fürsten zu;
Anfährt er trotzig, sagt mein Ferg,
Schloß Rheinstein und Johannisberg.


Er saus't und wüthet um sich her,
Frisch und gradaus wie keiner mehr;
Er schiert den Teufel sich um Gunst,
Er pfeift was auf den blauen Dunst,
Der trüb um ihre Zinnen hangt -
Er pfeift, das klar der Himmel prangt.


Ja, heiter wird auf ihn der Tag;
Drum braus' er, was er brausen mag!
Er selbst und noch ein Wisperwind: -
Ein neuer Tag der Welt beginnt!
Die Hähne krähn, der Wald erwacht,
Ein Wispern hat sich aufgemacht!


Von unten keck nach oben auch
Zieht dieser andern Wisper Hauch;
Auf aus den Tiefen zu den Höhn
Erhebt sich frisch auch dieses Wehn;
Strohdach und Werkstatt ohne Ruh'
Schicken der Fürstenburg es zu!


Da bangen trüb die Nebel noch;
Geduld nur, es verjagt sie doch!
Wie zornig sie such dräu'n, wie wirr,
Es läßt nicht ab, es wird nicht irr!
Mit kräft'gem Blasen, Ruck auf Ruck,
Macht es zunichte Dunst und Druck!


Hab' Dank, du frisch und freudig Wehn!
Hab' Dank, hab' Dank - o, wär' es Zehn!
Ja, Zehn und rings der Himmel rein!
Jetzt, nein ich, wird es Sechse sein! -
Der Wisperwind, der Wisperwind,
Den kennt in Oestrich jedes Kind!




Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848)

Winter


Aus Schneegestäub und Nebelqualm
Bricht endlich doch ein klarer Tag;
Da fliegen alle Fenster auf,
Ein jeder späht, was er vermag.


Ob jene Blöcke Häuser sind?
Ein Weiher jener ebne Raum?
Fürwahr, in dieser Uniform
Den Glockenturm erkennt man kaum.
Und alles Leben liegt zerdrückt,
Wie unterm Leichentuch erstickt.
Doch schau! am Horizontes Rand
Begegnet mir lebend'ges Land.


Du starrrer Wächter, lass ihn los,
Den Föhn aus deiner Kerker Schoß!
Wo schwärzlich jene Riffe spalten,
Da muss er Quarantäne halten,
Der Fremdling aus der Lombardei:
O Säntis, gib den Tauwind frei!




Werner Bergengruen (1892-1964)

Ballade vom Wind


Preist den Wind! Gott gab dem Winde
oberhalb der Erdenrinde
alles in sein Eigentum,
alle Meere, alle Länder,
gab ihm Masken und Gewänder:
Tramontana und Samum,
Zephyr, Blizzard, Föhn und Bora,
Mistral, Eurus und Monsun,
Hurrikan, Passat und Ora
und Tornado und Taifun.


Schuf ihn zum Herold und Herrn der Gezeiten,
liess ihm Willkür und gab ihm Gesetze,
Sternenbilder heraufzugeleiten
und dem Gewitter den Weg zu bereiten
wies ihm Rennbahn und Ruheplätze.


Wälderdurchbrauser und Steppendurchschweifer,
dunkler Bläser und heller Pfeifer,
hetzt er Schwalbe und Kormoran,
wühlt in den Mühlen der jagenden Rosse,
schleudert er Drachen, Schiffe, Geschosse,
Adler und Geier aus ihrer Bahn.


Kerzenverlöscher und Flammenschürer,
Nebelzerteiler und Wolkenführer,
schäumiger Wellen johlender Freier,
Trinker der Tränen, Zerreisser der Schleier,
rauchblau, schwärzlich und hagelweiss,
Tücherbauscher, Seelenberauscher,
kindlicher Spieler und zorniger Greis.


Ungebändigt im Springen und Streunen,
reisst die Dächer er von den Scheunen
und von den Herzen die Schwermut los
kühner Beflügler, ewiger Dränger,
mächtiger Löser und Kettensprenger,
Felsenrüttler und Wipfelbeuger,
grosser Zerstörer und grösserer Zeuger,
Flötenruf und Posaunenstoss,
reisiger Feger des Himmelshauses,
Abbild des pfingstlichen Geistgebrauses -
preiset den Wind! Der Wind ist gross.


Als der alte Ruhelose,
Segelmacher, Seebefahrer
früh am Sankt Josephitag
auf dem letzten Bette lag,
und die junge Krankenschwester
mit der weissen Flügelhaube
sich zu ihm herniederbeugte,
fuhr erschrocken sie zurück.
Von den bartumstarrten Lippen
sprang ihrs wie ein Stoss entgegen,
und der Haube weisse Flügel
flatterten im Schneegewölk.
Wars ein Aufschrei, dem die Laute
nicht mehr sich gefügig zeigten?
Wars ein Seufzer, wars ein Hauch?
Schreie nicht noch Seufzer haben
solche Kraft und solche Wildheit.
Nein, die ruhelose Seele
schied sich ungestüm vom Leibe,
und die Schwester schlug ein Kreuz.
Schloss ihm mit geübten Händen
sanft die wasserblauen Augen,
öffnete den Fensterspalt.


Hui! Da schoss es durch das Zimmer
aus des Bettes Ecke her.
Bilder klirrten an den Wänden,
Glasgefässe auf dem Tisch.
Mit Gefauche und Gezisch
stiess es an die Spiegelscheibe,
trübte sie für Augenblicke.
Wie ein eingeflogner Vogel
prallte es von Wand zu Wand,
bis es blind das Fenster fand.


Draussen heulten die Gefährten,
Totengeister, Wirbelwinde,
Wolkenreiter, Wasserfurcher
ihrem endlich Heimgekehrten
tausendstimmig zum Empfang.
In den Telegraphendrähten
brauste wilder Märzgesang
dass die Fahnen an den Stangen,
Hemden sich am Seile blähten,
vom Gesims die Regentraufen,
Schindeln von den Dächern sprangen.
Fetzen, Staub und Kehrichthaufen
wirbelten aus ihrer Ruh.
Und wie leichte Sommerfäden
bogen sich die Lindenäste.
Zweige brachen, Blitzableiter
rasselten und Fensterläden,
Türen schlugen krachend zu.


Die vertrauten Sturmgeschwister,
Wasserfurcher, Wolkenreiter,
Wirbelwinde, Totengeister
stoben weiter.
Und sie fauchten in Spiralen
um ergraute Kathedralen,
rannten auf den Orgelboden,
griffen, rasende Rhapsoden,
in die Pfeifen und Register,
jagten aus den Wolkenhöhen
immer wilder, immer gröber
weisslichgraue Regenböen,
Sonnenstrahlen, Schneegestöber,
Hagelschlossen vor sich her
zausten Schiffe in den Häfen,
peitschten das geliebte Meer,
tobten um der Berge Schläfen,
stürzten sich auf Bruch und Forsten,
dass die schwarzen Tannenborsten
tief sich bogen, hoch sich sträubten.
Ohne Pause und Erlahmen
liefen sie durch Sumpf und Heiden,
durch das bleiche Gräserhaar,
griffen sie nach Nuss und Weiden,
dass zu schäumendem Besamen
herrlich Gold und Silber stäubten!

Und der alte Ruhelose,
Segelmacher und Matrose
jagte mit der Geisterschar
aller Gräberwelt zu Häupten,
dem Lebendigen zum Preise,
wie es vor dem Anfang war.


Also trieben sie die Reise,
trunken, als ein toller Schwall,
fuhren sie in Windgottsweise
jauchzend um den Erdenball.




Wilhelm Busch (1832-1908)

Der Wetterhahn


Wie hat sich sonst so schön der Hahn
Auf unserem Turm gedreht
Und damit jedem kundgetan,
Woher der Wind geweht.

Doch seit dem letzten Sturme hat
Er keinen rechten Lauf;
Er hängt so schief, er ist so matt,
Und keiner schaut mehr drauf.

Jetzt leckt man an dem Finger halt
Und hält ihn hoch geschwind.
Die Seite, wo der Finger kalt,
Von daher weht der Wind.



Heinrich Hoffmann (1809-1894)

Die Geschichte vom fliegenden Robert

(aus "Der Struwwelpeter oder lustige Geschichten und drollige Bilder für Kinder von 3 bis 6 Jahren.", Frankfurt am Main, 1847)

Wenn der Regen niederbraust,
wenn der Sturm das Feld durchsaust,
bleiben Mädchen oder Buben
hübsch daheim in ihren Stuben.
Robert aber dachte: Nein!
das muß draußen herrlich sein!
Und im Felde patschet er
mit dem Regenschirm umher.

Hui, wie pfeift der Sturm und keucht,
daß der Baum sich niederbeugt!
Seht! den Schirm erfaßt der Wind,
und der Robert fliegt geschwind
durch die Luft so hoch, so weit.
Niemand hört ihn, wenn er schreit.
An die Wolken stößt er schon,
und der Hut fliegt auch davon.

Schirm und Robert fliegen dort
durch die Wolken immerfort.
Und der Hut fliegt weit voran,
stößt zuletzt am Himmel an.
Wo der Wind sie hingetragen,
ja, das weiß kein Mensch zu sagen.



Windig und findig

(Windgedicht, Autor leider unbekannt)

Nein, der machte keinen Wind
um das Fächeln. "Liebes Kind",
sprach er, "Wenn der Wind mich fächelt,
wird das nicht groß durchgehechelt.
Schau, ich seh im Fächeln nur
jenes Lächeln der Natur,
das dem Menschenkind besagt:
Schön, wenn's dir bei mir behagt!"



Geschichten und literarische Stücke:


Hanns Cibulka (1920-2004)

Winde

(aus "Ostseetagebücher"; Reclam Verlag, Liepzig, 1993)

Tag und Nacht streicht der Wind vom Meer her ins Land, kaum steht die Luft einmal still, immer ist sie in Bewegung, da ist ein Ziehen, Strömen, Steigen und Fallen, da gibt es Wirbel uns Soge. "Wind. In der Meteorologie streng genommen nur Bezeichnung für waagerechte Luftströmungen, doch werden ganz allgemein auch die Luftbewegungen, die durch Gelände-, mitunter verbunden mit Temperatureinfluß, einen senkrechten Richtungsanteil erhalten haben, d.h. schräg aufwärts oder abwärts verlaufen
(Fallwind,
Berg- und Talwind,
Föhn,
Bora);
als Wind bezeichnet." So und nicht anders steht es im Brockhaus. Es gibt aber auch Winde, die man vergebens in einem Nachschlagewerk sucht:

Der Schleifwind, der alles glatt schleift, Baumrinden, Felskanten, er raspelt mit den Sandkörnern ganze Steinpfannen aus;

der Schneefahnenwind. Tag und Nacht trägt er seine eigene Fahne vor sich her;

der Gegenwind, der auf Wiedervereinigung hofft und nicht weiß, daß entgegengesetzte Winde, die aufeinandertreffen, den Wirbelwind auslösen;

der Aufprallwind, der sich beim Aufprall an den Häuserwänden verdichtet, explodiert und nach verschiedenen Richtungen abspringt;

der Rockwind, einer der wenigen Winde, der von unten kommt und die Mädchenröcke hochweht;

der Springwind, er ist plötzlich da, springt dich an, flüchtet, um an einer anderen Straßenecke wieder aufzutauchen;

der Stoßwind, ein Wind, der keine Ausdauer besitzt und nach einem kurzen Wettlauf mit sich selbst zusammenbricht.

(...)


Sonne trifft den Nordwind

(Kindergeschichte, aufgeschrieben von einer 3. Klasse aus Hofheim, nach dem Gedicht "Der Himmel fiel aus allen Wolken" von Frederik Vahle (geb. 1942))

Die Sonne trifft den Nordwind
"Ha!", sagt der Nordwind. "Ich bin kalt."
Die Sonne lächelt.
"Hah! Ich bin stark", behauptet der Nordwind.
Die Sonne lächelt weiter.
"Hahahah!", prahlt der Nordwind. "Ich bin mächtig."
Die Sonne lächelt noch immer.

In der Ebene sehen sie einen schwarzen Punkt. Der Punkt ist
ein Mann in einem schwarzen Mantel.


"Den werde ich ihm ausziehen", sagt der Nordwind.
"Das kann ich auch", antwortet die Sonne.
"Haha!", lacht der Nordwind. "Der Stärkere bin allemal ich."
"Dann lass uns wetten", sagt die Sonne.
Der Nordwind weht. Der Mann geht weiter.
Der Nordwind brüllt. Der Mann hält den Mantelkragen fest.
Der Nordwind rast. Der Mann beugt sich nach vorne,
den Mantelkragen fest umschlungen.
Die Sonne scheint. Der Mann geht weiter. Die Sonne
scheint. Dem Mann wird warm. Die Sonne lacht. Der Mann
gähnt, zieht den Mantel aus und setzt sich zur Ruhe.
"Gewonnen!", sagt die Sonne und lacht dem Nordwind in
sein kaltes Gesicht.



noch ein paar nette generelle meteorologische Zitate:

  • ""Sie achten auf Regen? Sie sind wahrhaftig am Arsch, mein Junge. Neun von zehn Sereienmördern achten, kurz bevor sie ausklinken, ganz genau auf meteorologische Phänomene.""
    Aus "Der Tod ist ein bleibender Schaden" von Eoin Colfer (geb. 1965)